Tourismus in das Mobilitätssystem der Stadt integrieren
EU Urban Mobility Observatory Session at the European Week of Regions and Cities
Eine vom EU-Beobachtungszentrum für städtische Mobilität im Rahmen der European Week of Regions and Cities am 14. Oktober 2026 organisierte Veranstaltung brachte Perspektiven von Verkehrsbehörden, regionalen Vertretern, Wissenschaftlern und Beratern zusammen.
Für Rupprecht Consult ergab sich aus der Diskussion in Brüssel eine praktische Antwort: den Tourismus als Teil des städtischen Mobilitätssystems zu betrachten und ihn im gesamten SUMP-Prozess zu berücksichtigen.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Keji Alex Adunmo, Politikkoordinator für nachhaltige Mobilität bei der Generaldirektion Mobilität und Verkehr der Europäischen Kommission. Zu den Referenten gehörten Jeannette Axisa von der maltesischen Verkehrsbehörde; Françoise Guaspare von der Vertretung der Île-de-France bei der EU, die Erkenntnisse der Expertengruppe für städtische Mobilität (EGUM) und regionale Praktiken vorstellte; Nina Nesterova, Professorin an der Fachhochschule Breda; sowie Wolfgang Backhaus, Geschäftsführer von Rupprecht Consult.

Im Laufe der Sitzung wurden drei Planungsschwerpunkte für Städte identifiziert
1. Den Weg im Blick behalten, nicht nur das Ziel
Die Mobilitätsbedürfnisse eines Besuchers beginnen bereits vor der Ankunft an einer Sehenswürdigkeit. Dazu gehören die Anreise zum Zielort, die Wege zwischen Unterkunft und Sehenswürdigkeiten, das Erreichen von Verkehrsknotenpunkten und der letzte Abschnitt der Reise.
Das bedeutet, dass der Tourismus in jeder Phase eines SUMP berücksichtigt werden sollte: bei der Bewertung der aktuellen Situation, der Festlegung von Zielen, der Auswahl von Maßnahmen, deren Umsetzung und der Überprüfung ihrer Auswirkungen.
SUMPs müssen zudem saisonale Nachfrageschwankungen und die Mobilitätsbedürfnisse der Einwohner berücksichtigen.
Diese umfassendere Sichtweise ist nicht nur für die Innenstadt wichtig. Sehenswürdigkeiten in stadtnahen Gebieten können eine erhebliche Verkehrsnachfrage erzeugen, und ihre Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr kann darüber entscheiden, ob Besucher eine praktische Alternative zum Privatfahrzeug haben.
2. Informationen in zeitnahe Maßnahmen umsetzen
Tourismus, Verkehr und Behörden verfügen jeweils über Informationen, die Aufschluss darüber geben können, wie sich Menschen fortbewegen. Die Zusammenführung dieser Quellen kann Städten helfen: Gute Daten sind nur dann nützlich, wenn die Behörden in der Lage sind, sie zu interpretieren und entsprechend zu handeln. Die Mitarbeiter benötigen die Fähigkeiten, um Fakten zu bewerten und Maßnahmen auszuwählen, die den lokalen Gegebenheiten entsprechen. In der Sitzung wurde der Aufbau von Kapazitäten als fortlaufender Bedarf identifiziert, wobei künstliche Intelligenz als potenzielle Unterstützungsquelle genannt wurde.
Engpässe auf Strecken, an Bahnhöfen und Sehenswürdigkeiten zu erkennen;
sich auf saisonale Spitzenzeiten vorzubereiten, bevor die Verkehrsangebote überlastet werden;
Verkehrsangebote an veränderte Nachfrage anzupassen; und
Besucherströme gleichmäßiger über ein Reiseziel zu verteilen.
Auch die Nachfrage kann sich schnell verschieben. Influencer und Veränderungen im Interesse der Besucher können Orte plötzlich ins Rampenlicht rücken. Der Klimawandel und andere kurzfristige Belastungen können Verkehrssysteme stören – das muss bei der Planung von Maßnahmen und Infrastrukturen berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass sie langfristig widerstandsfähig bleiben. Regelmäßige Überwachung gibt den Behörden die Möglichkeit, Angebote, Besucherinformationen und Managementmaßnahmen an veränderte Muster anzupassen.
Informationen für Besucher sind Teil dieser Strategie. Eine klare, mehrsprachige Beschilderung sowie kontinuierliche Kommunikation können den Menschen helfen, sich in unbekannten Verkehrsnetzen zurechtzufinden und nachhaltige Reisemöglichkeiten zu wählen.
3. Schaffe eine klare Struktur für Zusammenarbeit und Finanzierung
Mobilität im Tourismus geht über Organisationsgrenzen hinaus. Tourismusverbände, Behörden, Verkehrsbetriebe und Stadtplaner müssen sich auf gemeinsame Prioritäten einigen und verstehen, wie sich ihre Entscheidungen gegenseitig beeinflussen.
Eine festgelegte federführende Behörde kann diese Gruppen zusammenbringen und die Koordination während des gesamten SUMP-Zyklus vorantreiben. Frühzeitige Kommunikation hilft dabei, Erwartungen abzustimmen – besonders wenn Organisationen unterschiedliche Zuständigkeiten, Ressourcen und Ziele haben.
Städte müssen außerdem entscheiden, wie Maßnahmen finanziert werden sollen. In der Sitzung wurde erörtert, ob Tourismuseinnahmen, einschließlich Kurtaxen, zu Verkehrsverbesserungen und erschwinglicherem öffentlichen Nahverkehr beitragen könnten. Ein solcher Ansatz hängt davon ab, dass klar ist, wer für die einzelnen Maßnahmen aufkommt und wie die Finanzierung langfristig gesichert wird.
Ein gemeinsamer Nutzen für Besucher und Einwohner
Tourismusmobilität ist kein eigenständiges Planungsthema. Maßnahmen, die Besuchern helfen, ihre Ziele zu erreichen, können auch das gesamte Verkehrsnetz unterstützen – vorausgesetzt, sie werden unter Berücksichtigung der alltäglichen Bedürfnisse der Einwohner konzipiert.
Das in Kürze erscheinende SUMP-Referenzdokument zum Thema Tourismus wird Praktikern Werkzeuge, Methoden und Beispiele bieten, die in verschiedenen lokalen Kontexten angewendet werden können. Seine Entwicklung ist eine Chance, den Tourismus zu einem konsistenteren Bestandteil der Mobilitätsplanung zu machen: vom Verständnis der Nachfrage über die Koordination der Akteure bis hin zur Finanzierung der Umsetzung.
Eine weitere Sitzung zu diesem Thema findet auf der POLIS-Konferenz statt. Stay tuned!



